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Das Bild zeigt Jenni im Porträtformat. Sie sitzt auf einer Wiese im Freien, die Arme verschränkt und die Beine angezogen. Jenni trägt ein schwarzes Oberteil, eine blaue Jeans und Ohrringe. Im Hintergrund sind Bäume und ein Zaun zu sehen. Über dem Bild steht der Text: "Gedankenwolken" in weißer Schrift auf grünem Hintergrund. Darunter folgt der Text: "Jenni: Gottes Geist war immer schon Zeitgeist." in gelber und schwarzer Schrift. Im oberen Bereich des Bildes sind die Logos "Deine OnlineKirche" und ein blaues Kreuz-Symbol zu erkennen.
Heute ist „Zeitgeist" leider zu einem Kampfbegriff geworden. Das Gegenwort zur vermeintlich festen, sicheren Interpretation des „Wortes Gottes". Sobald eine Auslegung von der gewohnten Interpretation abweicht, heißt es schnell: Das ist nur Zeitgeist. Als wäre damit schon entschieden, dass es falsch ist. Als wäre das „Alte" automatisch Wahrheit und jede neue Perspektive automatisch Abweichung vom „Richtigen".
Dabei hat Gottes Geistkraft nie anders gewirkt als mitten in der Zeit. Sie hat Menschen nie außerhalb ihrer Welt angesprochen, nie losgelöst von ihrem Verstehenshorizont. Gottes Geistkraft sprach immer so, dass Menschen sie hören konnten: in ihrer Sprache, in ihren Bildern, in ihren Fragen, in ihren Möglichkeiten, die Welt zu verstehen. Genau das zeigt bereits die Bibel selbst. In ihr stehen unterschiedliche Stimmen nebeneinander: verschiedene theologische Perspektiven, unterschiedliche Akzente, manchmal sogar Spannungen.
Schon damals haben Menschen gedeutet, gerungen, interpretiert und sind nicht immer zu denselben Ergebnissen gekommen. Theologie und Glaube haben sich verändert, wurden neu gedacht. Dokumentiert in den Schriften der Bibel. Diese Vielfalt wurde nicht ausgelöscht, sondern bewahrt, weil Glaube immer vielfältig ist und mitten im Leben entsteht: geprägt von Zeit, Kultur, Erfahrung, Gesinnung und menschlichem Verstehen. Da ist Raum im Glauben. Bei Gott. In der Bibel.
Auch das, was heute oft als „schon immer gültige" Auslegung verteidigt wird, ist selbst Ausdruck eines Zeitgeistes. Nur eben eines früheren Zeitgeistes. Geprägt von den Fragen, Ängsten, Machtverhältnissen und Überzeugungen seiner Zeit. Genauso menschlich und nicht göttlicher, nur weil es älter ist. Es geht mir nicht darum, Glauben beliebig zu machen oder Wahrheit aufzugeben. Es geht darum, anzuerkennen, dass JEDE Auslegung Interpretation bleibt. Problematisch wird es dort, wo die eigene Deutung absolut gesetzt wird, als einzig legitime Stimme Gottes. Wo menschliche Auslegung mit göttlicher Autorität verwechselt wird.
Dann wird die Bibel nicht mehr als lebendiger Raum verstanden, sondern festgeschrieben und verengt. Sie wird enger gemacht, als sie selbst es ist: härter, strafender, trennender. Oft entsteht daraus ein Glaube, der kontrolliert, nicht mehr befreit. Doch Gottes Geist hat Menschen nie klein gemacht oder festgehalten. Hat nicht dazu befähigt, Angst zu verwalten oder Grenzen zu zementieren. Gottes Geist ist Bewegung. Lebendig. Gegenwärtig. Frei.
Auch der biblische Kanon ist kein geschlossenes, „vom Himmel gefallenes Buch". Nicht von Gott übergeben. Er ist gewachsen, als Ergebnis von Auswahlprozessen, theologischen Debatten, kirchlicher Autorität und historischer Entwicklung. Über Jahrhunderte wurde gesammelt, verworfen, diskutiert und entschieden, welche Schriften dazugehören und welche nicht.
Jesus selbst hat nichts Schriftliches hinterlassen. Ich vermute deshalb, weil Menschen genau das tun: Sie halten Transzendenz nicht aus. Sie brauchen etwas zum Festhalten. Etwas Materielles, Irdisches. Sie versuchen, Gott festzuschreiben, Gott verfügbar zu machen, um aus der eigenen Deutung damit Macht abzuleiten. Doch Gottes Geist entzieht sich genau dieser Vereinnahmung.
Gottes Geistkraft lässt sich nicht festhalten. Auch nicht in einem Buch. Sie bleibt nicht stehen. Nicht außerhalb der Zeit. Sie ist mitten in ihr. Immer. Auch heute noch. Gottes Geist ist Zeitgeist. Was denkst du?
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Das Bild zeigt eine Person im Porträtformat im Freien. Die Person trägt ein grünes T-Shirt mit dem Aufdruck „México“ und dem Logo der mexikanischen Fußballnationalmannschaft sowie graue Hosen. Sie hält eine Ukulele und spielt darauf. Im Hintergrund sind Büsche und Bäume zu sehen. Über dem Bild steht der Text: „Themenmonat Johannes: Ein Leib, viele Sinne: Warum Gott keine Fehlbesetzungen kennt“. Oben links ist das Logo „Deine OnlineKirche“ und oben in der Mitte ein blaues Kreuz-Symbol sichtbar.
Stell dir vor, du bist Teil eines Orchesters, aber man lässt dich nicht mitspielen. Du darfst nur danebensitzen, weil andere glauben, dir fehle der Durchblick für ein Instrument. In unserer Kirche reden wir oft vom „Leib Christi", aber im Alltag sortieren wir Menschen nach ihrer Nützlichkeit. Als blinder Pastor in Ausbildung kenne ich das: Mir wurde gesagt, meine Blindheit sei ein Hindernis für den Beruf. Man traut mir ein „Zeugnis" zu, aber keine Leitung. Doch wer nur das Defizit verwaltet, übersieht: Gott beruft keine Mängelwesen, er beruft Menschen.
Wie viel wir gewinnen, wenn Raster fallen, zeigt die Frauenordination. Was für ein Reichtum floss in die Kirche, seit Frauen das Amt bekleiden! Erst durch sie wurde der Leib Christi vollständiger und ein Stück mehr zum Ebenbild Gottes. Doch noch immer müssen Frauen gegen veraltete Rollenbilder kämpfen. Das zeigt, wie tief Leistungsdenken in uns steckt - und wie sehr wir noch lernen müssen, die Berufung über unsere Schablonen zu stellen.
Paulus schreibt, dass ein Körper nicht nur aus Augen besteht und gerade die schwachen" Glieder unentbehrlich sind. Der Leib Christi ist erst vollständig, wenn jeder den Platz einnimmt, den Gott vorgesehen hat - nicht den, den wir nach menschlichem Ermessen zuweisen. Wer gelernt hat, Gott im Dunkeln zu vertrauen, bringt einen Weitblick mit, den kein Studium lehrt.
Meine Ukulele hat nur vier Saiten. Manche lächeln, als fehle ihr etwas zur Gitarre. Doch sie hat einen eigenen, hellen Glanz. In Gottes Orchester ist jede Saite genau so gewollt. Gott sieht nicht auf das Raster, sondern das Herz an. Dort fängt die Kirche an, mit allen Sinnen zu lieben.