Aktion

Foto: A-Z Fabian - A-Z
Porträtaufnahme einer lächelnden Person mit kurzen, grauen Haaren und einem blauen Stirnband. Die Person trägt eine gelbe Bluse und eine dunkle Jacke. Im Hintergrund sind ein Gebäude mit Bögen und ein bewölkter Himmel zu sehen. Im oberen Bildbereich sind die Logos der OnlineKirche und ein blau-grünes Logo mit einem stilisierten Kreuz zu sehen. Im Bild ist ein grünes Feld mit der Aufschrift „Themenmonat“ und darunter der Text: „Beate: Behinderung? Ich habe einen Traum!“.
Behinderung? Handicap? Besondere Bedürfnisse? Oder doch Beeinträchtigung? Was sagt man denn nun? Ich bin taub. Gehörlos. Ein Mensch mit Behinderung. Oder, um es klarer zu sagen: Ich bin behindert. Als ich dieses Wort vor vielen Jahren erstmals bei einem Rollenspiel aussprach, fühlte es sich an wie ein Stolperstein auf meiner Zunge, schwer und fremd.
Heute passt es zu mir wie ein gut sitzender Schuh. Keine Blasen mehr, keine Ausreden. Die Scham habe ich abgelegt. Das Wort beschreibt präzise meine Realität. Und es beschreibt meinen Platz in der oft überforderten Gesellschaft. Handicap? Nein danke. Beeinträchtigung? Klingt nach leichter Grippe. Ich bin behindert. Punkt.
Und das bin ich wirklich - als Frau irgendwo um die siebzig und dem leisen Verdacht, dass mein Geburtsjahr nur eine Richtlinie ist. Ich habe keine besonderen Bedürfnisse, sondern Bedürfnisse wie alle anderen auch. Schlaf, Essen, Kaffee, WLAN, Kommunikation, Information. Dazu gehören für mich verlässliche Untertitel und funktionierende Hörtechnik. Ich hadere nicht mehr. Ich benenne die Dinge. Klar. Direkt. Denn nur wenn wir Worte nicht meiden, können wir Lebensräume gestalten und verändern.
Seit 2009 ist die UN-Behindertenrechts-konvention auch in Deutschland geltendes Recht. Die Teilhabe ist ein Menschenrecht, kein Akt der Fürsorge.
Für mein kirchliches Umfeld habe ich einen Traum, eine Zukunftsvision. Ich träume davon, eine Kirche zu betreten und gleich zu wissen: Hier kann ich verstehen. Hinweise auf eine Induktionsschleife, reservierte Plätze für Hörbehinderte, eingeschaltete Technik. Menschen, die Mikrofone richtig tragen und deutlich sprechen. Ich träume davon, Konzerte und Veranstaltungen in Gemeinden entspannt zu besuchen - ohne früher kommen zu müssen, ohne Stress, ohne Angst, nicht zu verstehen. Technik ist da. Verstehen ist für mich möglich.
Ich träume von Büros in kirchlichen Einrichtungen, in denen ein blaues Schild Induktives Hören signalisiert. Mitarbeitende sprechen deutlich, wiederholen geduldig. Begegnung geschieht auf Augenhöhe. Ich träume von einem kirchlichen Seniorenheim mit Lichtsignalanlage an meiner Tür. Von Personal, welches mich von vorne anspricht, Zeit und Verständnis mitbringt. Von hellen, schallisolierten Räumen. Das Personal kennt meine Hörtechnik und kann diese sicher bedienen. Ich träume von Teilhabe bis ins hohe Alter.
Ich träume sogar von Abschied: von einer Beerdigung, bei der ich jedes Wort verstehe - in der Kirche, auf dem Weg zum Grab, getragen von Technik, die niemanden ausschließt. Ich werde behindert - tagtäglich, nicht nur durch meine Taubheit. Durch Barrieren und Strukturen.
Und dennoch liebe ich mein Leben mit all seinen Stolpersteinen und goldverzierten Absurditäten. Denn ich bin soviel mehr als das, was mich einschränkt. Während andere noch nach dem richtigen Begriff suchen, gehe ich - lachend, auch fluchend - einfach weiter und höre nicht auf zu träumen.
Foto: Behindert geglaubt – Bettina - Aktion
Collage aus mehreren unscharfen Fotos, die verschiedene Szenen mit Menschen zeigen. Im Zentrum der Collage liegt ein geöffneter Notizblock mit einem Bleistift und einer Brille darauf. Oben links ist das Logo der „Deine OnlineKirche“ zu sehen. Im unteren Drittel des Bildes steht in großer, blauer Schrift: „Viel Erfolg beim Abi!“ Darunter folgt der Text: „Unser Content-Team und ihre Prüfungen – ein paar Geschichten:“. Die Collage zeigt: • Oben links: Eine Person in roter Kleidung auf einem Fahrrad. • Oben Mitte: Eine unscharf dargestellte Person mit dunklem Haar. • Oben rechts: Eine Person in einem grünen T-Shirt. • Unten links: Eine Person, die aus einem Auto schaut. • Unten Mitte: Eine Person in dunkler Kleidung mit braunen Schuhen. • Unten rechts: Eine Person in einem Raum mit Regalen.
Porträtaufnahme einer lächelnden Person in einer Innenraumumgebung, die ein offenes Buch in der linken und eine gelbe Broschüre in der rechten Hand hält. Die Person trägt eine braune Jacke und steht vor einem Regal mit Büchern und Ordnern. Über der Person schwebt ein weißes Feld mit der Aufschrift „Gerson, Pfarrer in Wettin“. Im oberen Bildbereich steht in großer, weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund: „Ich habe damals mein Deutsch-Abi total verhauen. Und heute bin ich Pfarrer (und muss viele Reden schreiben).“
Porträtaufnahme einer lächelnden Person mit Sonnenbrille auf dem Kopf, aufgenommen in einem Zugabteil oder an einem Bahnhof. Im Bild ist ein weißes Feld mit grünen und pinken Elementen zu sehen, das den Text „Jenni, Pfarrerin der OnlineKirche“ enthält. Im unteren Bildbereich steht in gelber und weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund: „Prüfungsangst zeigt sich bei mir schon immer vor allem körperlich. Eine besondere Erfahrung war meine Gottesdienstprüfung im zweiten theologischen Examen. Ich war gut vorbereitet, innerlich aber dennoch sehr aufgeregt. Meine Knie haben während des ganzen Gottesdienstes gezittert, nur eben unter dem Talar verborgen. Am Ende fragte der Prüfer, ob ich überhaupt nervös gewesen sei, ich wirkte so sicher. Ich musste schmunzeln: Manchmal ist die Gelassenheit eben gut
Porträtaufnahme einer lächelnden Person in roter Regenjacke, die neben einem Fahrrad steht. Im Hintergrund ist eine weiße Wand mit grünen Pflanzen zu sehen. Im Bild ist ein grünes Feld mit einer pinken Blume und dem Text „Mareike, Pfarrerin Berga-Kelbra“ sowie „Nach der Prüfung!“ zu sehen. Im oberen Bildbereich steht in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund: „Im Abitur wurde ich mündlich in Biologie geprüft. Die Prüfer fragten mich Sachen, von denen ich noch nie gehört hatte. Die hatten alle im Biologiebuch gestanden, das der Leistungskurs benutzt hatte. Ich war aber im Grundkurs gewesen. Mit Improvisationstalent ist es dann doch noch gut gegangen. Das hilft mir auch heute immer noch, viel mehr als mein Wissen über das Balzverhalten des Stichlings.“
Porträtaufnahme einer lächelnden Person mit Brille und leopardengemusterten Armstulpen, die am offenen Fenster eines Autos sitzt und eine Hand auf dem Fensterrahmen abstützt. Am Auto ist ein blaues EU-Kennzeichenschild mit der Aufschrift „Hannah, Pfarrerin in Wernigerode“ befestigt. Im unteren Bildbereich steht in weißer und gelber Schrift auf schwarzem Hintergrund: „Ich bin durch die praktische Fahrprüfung gefallen. 😊“
Porträtaufnahme einer lächelnden Person in einem gemusterten Kleid und einer violetten Stola, die in einem Laden oder einer Ausstellung steht. Im Hintergrund sind Vitrinen und Regale zu sehen. Im Bild ist eine weiße Sprechblase mit dem Text „Vali, Vikariats-absolventin“ zu sehen. Im unteren Bildbereich steht in weißer und gelber Schrift auf schwarzem Hintergrund: „Ich habe mein Abitur fast nicht geschafft. Nicht, weil ich es nicht konnte, sondern weil ich die Zweifel von anderen Menschen zu meinen gemacht habe. Heute werde ich Pfarrerin. Glaub nicht alles, was andere über dich sagen.“
Porträtaufnahme einer lächelnden Person mit Brille und kurzen, roten Haaren vor einer Kreidetafel mit mathematischen Formeln. Im Bild ist eine weiße Sprechblase mit dem Text „Alexandra, Pfarrerin Jena & Magdala“ zu sehen. Im unteren Bildbereich steht in weißer und gelber Schrift auf schwarzem Hintergrund: „Ich kam seit Klasse 1 noch nie die Kletterstange hoch, Chemie war in der Oberstufe mit Schweißausbrüchen verbunden und im Mathe-Abi hatte ich gut 60 Minuten lang einen Blackout. Was ich daraus gelernt habe? Dass Fehler im Leben dazugehören und Dinge manchmal nicht immer so laufen, wie wir uns das wünschen. Dass jeder von uns Dinge gut kann und andere wiederum nicht. Gerade das macht uns einzigartig, wertvoll und liebenswert. Wichtig ist, dass wir uns auf unsere Stärken besinnen und uns durch Missgeschicke nicht kleinreden. Heute habe ich mein Diplom in der Tasche und bin mit Herzen Schul- und Gemeindepfarrerin. Und das weiterhin mit Stärken und Schwächen.“
Porträtaufnahme einer lächelnden Person in einem dunklen Kleid, die vor einem Notenständer in einer Kirche steht und ein rotes Buch in der Hand hält. Im Hintergrund sind ein Altar und eine Kerze zu sehen. Im oberen Bildbereich steht in gelber und weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund: „Latein hab ich in der Schule abgewählt, um nicht durchzufallen. Im Studium hab ich das Latein mit einer Eins nachgeholt.“ Im Bild ist eine weiße Sprechblase mit dem Text „Clara, Pfarrerin Großschwabhausen-Isserstedt“ zu sehen.
Porträtaufnahme einer Person mit ernster Miene und gestutztem Bart vor einer Holzvertäfelung. Im Bild ist ein pinkes Feld mit dem Text „Fridolin, Pfarrer in Erfurt“ zu sehen. Im oberen Bildbereich steht in weißer und gelber Schrift auf schwarzem Hintergrund: „Es war in der Uni, ich war (und bin es wahrscheinlich immer noch) sehr ehrgeizig, es muss immer eine gute Note werden... Tja in der einen Klausur in einem meiner Lieblingsfächer... voll der Blackout – 20 min lang ging gar nichts. Ich war echt den Tränen nah, so verzweifelt. Ich hatte mich doch gut vorbereitet. Die Note war dann entsprechend schlecht, ich hab mich so geärgert. Am Ende hab ich den Abschluss trotzdem gut hingekriegt, bin jetzt Pfarrer geworden und der Ärger über die Klausur damals ist längst vergessen.“
Porträtaufnahme einer lächelnden Person mit kurzen, grauen Haaren und einem bunten Schal, die mit ausgebreiteten Armen vor einem unscharfen Hintergrund steht. Im Bild ist ein grünes Feld mit dem Text „Gabi, pensionierte Pfarrerin Magdeburg“ zu sehen. Im oberen Bildbereich steht in weißer und gelber Schrift auf schwarzem Hintergrund: „Ich war und bin ein absoluter Prüfungsfeigling und fand immer Menschen, die mir mehr zutrauten als ich mir selbst. Einen Tag vor meinem zweiten Examen hab ich mich von der Prüfung abgemeldet, weil ich trotz Berufungstabletten die Angst nicht überwinden konnte. Alle sagten: ‚Bist du verrückt. Sieben Jahre Studium und dann ... nix?‘ Die Prüfungen verliefen ohne mich, mir war alles egal. Aber dann passierte etwas, was ich mein ganzes Leben nicht vergaß, was mich im wahrsten Sinn des Wortes rettete. Der damalige Bischof rief mich an und sagte: ‚Frau Herbst, wir brauchen Sie, bitte kommen Sie unbedingt.‘ Und dann haben die mich bei Tee und Keksen ungefähr 90 Minuten durch die ganze Theologie geschickt – und ich bin Pfarrerin geworden mit Leib und Seele, bis heute ... weil jemand sagte: Wir brauchen dich!“
Unscharfes Bild einer Person im Vordergrund, die die Hände gefaltet hat. Im Hintergrund ist eine grüne, unscharfe Natur zu erkennen. Über dem Bild steht in gelber und weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund ein Gebetstext: „Gott, du weißt wohin unsere Wege führen. Du kennst unsere Unruhe vor Prüfungen. Schenke uns Ruhe für das, was hinter uns liegt, und für das, was noch vor uns steht. Lass uns wissen: Unser Wert hängt nicht an einem Ergebnis. Und gib uns den Mut, das Unsichere anzunehmen, das Mögliche zu tun, und das Unverfügbare auszuhalten. Im Vertrauen darauf, dass du uns trägst. Immer. Amen“
Foto: Talar SegenToGo Anne - Aktion
Foto: Talar – Laura - Aktion
Foto: Talar – Jenni - Aktion
Foto: Talar – Markus - Aktion
Foto: Talar-Vali - Aktion
Foto: Julia Talar - Aktion