Aktion

Eine ältere Frau mit kurzen, weißen Haaren und freundlichem Gesichtsausdruck ist vor einem Smartphone-Bildschirm zu sehen. Das Smartphone zeigt eine Nahaufnahme einer blauen Blüte und weißer Doldenblüten. Im oberen Bereich befindet sich ein Logo mit einem stilisierten Kreuz und dem Schriftzug 'Deine OnlineKirche'. In der Mitte steht auf grünem Hintergrund 'ZeilenWeise'. Darunter folgt der Text: '“GLEICH”, ein Gedicht von Gabi Herbst nach Gottfried Benn “Schöner Abend”'.
Ich nahm den Hoffnungsweg, den lang versperrten, doch diesen Morgen zog er mich in Bann. Wies in die Felder mich, durch manche Gärten. Ich lief und sah mich neu von innen an. Allüberall Wegwarten für mich blauten, mir flüsterten vom Himmel sternenreich und von der Sonne, die sie täglich schauten. Das Handy klingelte. Ich simste: GLEICH.
Foto: GiA-Berthold-2026 - Aktion
Über einem großen doppelflügel gig Tor hängt eine große Regenbogenfahne. Die Szene spielt vor einem offenen Tor aus Metall, das in eine Backsteinmauer eingelassen ist. Eine weitere Person mit Rucksack geht durch das Tor. Im Vordergrund sind Kopfsteinpflaster und ein Fahrrad zu sehen. Mehrere farbige Textfelder und ein rundes Logo mit Kreuzmotiv sind eingeblendet. Die Schrift ist klar lesbar: 'Deine OnlineKirche', 'Kennst du schon...?', 'Queer in der EKM'.
Queere Menschen gibt es überall in unserer Kirche - in den Kirchengemeinden, den Kirchenämtern, der Diakonie oder als Mitarbeitende. Doch Kirche wird leider noch immer nicht für alle als sicherer Ort erlebt. Wir von „Queer in der EKM" glauben fest daran: Gottes Liebe gilt allen Menschen uneingeschränkt. Gott nimmt uns so an, wie wir sind. Deshalb setzen wir uns für eine diskriminierungsfreie Kirche ein, in der jede*r - unabhängig von sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und Beziehungsform - sicher, willkommen und von Herzen eingeladen ist.
Fünf Porträtfotos von Personen sind kreisförmig angeordnet und jeweils mit Namen und Pronomen beschriftet: Jona (sie/ihr), Franziska (sie/ihr), Rebekka (keine/alle), Bettina (sie/ihr) und Ronny (er/ihm). In der Mitte unten befindet sich ein Regenbogenkreis als Symbol. Im Hintergrund ist ein Gebäude mit zwei Regenbogenflaggen zu sehen. Oberhalb der Porträts steht in gut lesbarer Schrift: 'Wir sind für dich da! Wir wollen queere Menschen in der EKM vernetzen, sichtbarer machen und einen Ort des Austausches schaffen. Vor allem sind wir deine Ansprechpersonen, wenn du Fragen hast oder Unterstützung brauchst.'
Zwei Hände mit nach vorne gerichteten Fäusten sind im Vordergrund zu sehen. Auf den Fingern steht in bunten Buchstaben 'LGBTQIA+'. Im Hintergrund verläuft ein Regenbogen mit sechs Farbstreifen von links nach rechts. Darauf stehen in weißer Schrift mehrere Begriffe: 'Vielfalt leben', 'Vernetzung', 'Sichtbarkeit', 'Beratung', 'Ansprechpersonen', 'Sensibilisierung', 'Wofür wir stehen', 'Queere Perspektiven stärken', 'Sicherer Raum', 'Bildungsarbeit', 'Seelsorge'. Unten befindet sich ein Hinweis auf einen Instagram-Account: 'Folge uns gern hier auf Insta: @queer.EKM'. Daneben ist ein rundes Logo mit Regenbogenfarben abgebildet.
Foto: Vlog-Peter-0626 - Aktion
Kennst du schon ...? die unicorns4jesus?
Die unicorns4jesus machen Outlaw-Worship, also Lobpreis von und für alle, die Glaubensgemeinschaft und Kirche eher als Ort von Ausschluss, Anpassungsdruck oder Fremdheit erlebt haben. Sie verbinden klassische Worship-Themen mit mehrstimmigem Indie-Pop. Ihre Songs erzählen von Glauben, Sehnsucht, Verletzlichkeit und Hoffnung, für Menschen, die sich in christlichen Gemeinschaften oft wie Christ:innen zweiter Klasse fühlen. Besonders viele queere Menschen kennen diese Erfahrung. Aber auch viele andere: etwa Geschiedene, Alleinerziehende, neuro- divergente oder alleinstehende Menschen. Statt Hochglanz-Worship entsteht dabei etwas Ehrliches, Unperfektes ... Menschliches eben.
Neben ihren selbst geschriebenen und komponierten Songs findet ihr auf ihrer Homepage auch eine umfangreiche Liedersammlung für queer-inklusive Gottesdienste. Die Liste enthält sowohl Lobpreis- und Worshipsongs als auch eine Auswahl von Kirchenliedern aus dem landeskirchlichen Gesangbuchrepertoire. Sie möchte Musiker:innen und Gemeinden dabei unterstützen, passende Lieder für eine offene, vielfältige und einladende Gottesdienstgestaltung zu finden. Die Listen verstehen sich als Zeichen der Solidarität mit Menschen, die sich für Liebe, Vielfalt und Menschlichkeit in Kirche und Gemeinde stark machen.
Das Bild zeigt Jenni im Porträtformat. Sie sitzt auf einer Wiese im Freien, die Arme verschränkt und die Beine angezogen. Jenni trägt ein schwarzes Oberteil, eine blaue Jeans und Ohrringe. Im Hintergrund sind Bäume und ein Zaun zu sehen. Über dem Bild steht der Text: "Gedankenwolken" in weißer Schrift auf grünem Hintergrund. Darunter folgt der Text: "Jenni: Gottes Geist war immer schon Zeitgeist." in gelber und schwarzer Schrift. Im oberen Bereich des Bildes sind die Logos "Deine OnlineKirche" und ein blaues Kreuz-Symbol zu erkennen.
Heute ist „Zeitgeist" leider zu einem Kampfbegriff geworden. Das Gegenwort zur vermeintlich festen, sicheren Interpretation des „Wortes Gottes". Sobald eine Auslegung von der gewohnten Interpretation abweicht, heißt es schnell: Das ist nur Zeitgeist. Als wäre damit schon entschieden, dass es falsch ist. Als wäre das „Alte" automatisch Wahrheit und jede neue Perspektive automatisch Abweichung vom „Richtigen".
Dabei hat Gottes Geistkraft nie anders gewirkt als mitten in der Zeit. Sie hat Menschen nie außerhalb ihrer Welt angesprochen, nie losgelöst von ihrem Verstehenshorizont. Gottes Geistkraft sprach immer so, dass Menschen sie hören konnten: in ihrer Sprache, in ihren Bildern, in ihren Fragen, in ihren Möglichkeiten, die Welt zu verstehen. Genau das zeigt bereits die Bibel selbst. In ihr stehen unterschiedliche Stimmen nebeneinander: verschiedene theologische Perspektiven, unterschiedliche Akzente, manchmal sogar Spannungen.
Schon damals haben Menschen gedeutet, gerungen, interpretiert und sind nicht immer zu denselben Ergebnissen gekommen. Theologie und Glaube haben sich verändert, wurden neu gedacht. Dokumentiert in den Schriften der Bibel. Diese Vielfalt wurde nicht ausgelöscht, sondern bewahrt, weil Glaube immer vielfältig ist und mitten im Leben entsteht: geprägt von Zeit, Kultur, Erfahrung, Gesinnung und menschlichem Verstehen. Da ist Raum im Glauben. Bei Gott. In der Bibel.
Auch das, was heute oft als „schon immer gültige" Auslegung verteidigt wird, ist selbst Ausdruck eines Zeitgeistes. Nur eben eines früheren Zeitgeistes. Geprägt von den Fragen, Ängsten, Machtverhältnissen und Überzeugungen seiner Zeit. Genauso menschlich und nicht göttlicher, nur weil es älter ist. Es geht mir nicht darum, Glauben beliebig zu machen oder Wahrheit aufzugeben. Es geht darum, anzuerkennen, dass JEDE Auslegung Interpretation bleibt. Problematisch wird es dort, wo die eigene Deutung absolut gesetzt wird, als einzig legitime Stimme Gottes. Wo menschliche Auslegung mit göttlicher Autorität verwechselt wird.
Dann wird die Bibel nicht mehr als lebendiger Raum verstanden, sondern festgeschrieben und verengt. Sie wird enger gemacht, als sie selbst es ist: härter, strafender, trennender. Oft entsteht daraus ein Glaube, der kontrolliert, nicht mehr befreit. Doch Gottes Geist hat Menschen nie klein gemacht oder festgehalten. Hat nicht dazu befähigt, Angst zu verwalten oder Grenzen zu zementieren. Gottes Geist ist Bewegung. Lebendig. Gegenwärtig. Frei.
Auch der biblische Kanon ist kein geschlossenes, „vom Himmel gefallenes Buch". Nicht von Gott übergeben. Er ist gewachsen, als Ergebnis von Auswahlprozessen, theologischen Debatten, kirchlicher Autorität und historischer Entwicklung. Über Jahrhunderte wurde gesammelt, verworfen, diskutiert und entschieden, welche Schriften dazugehören und welche nicht.
Jesus selbst hat nichts Schriftliches hinterlassen. Ich vermute deshalb, weil Menschen genau das tun: Sie halten Transzendenz nicht aus. Sie brauchen etwas zum Festhalten. Etwas Materielles, Irdisches. Sie versuchen, Gott festzuschreiben, Gott verfügbar zu machen, um aus der eigenen Deutung damit Macht abzuleiten. Doch Gottes Geist entzieht sich genau dieser Vereinnahmung.
Gottes Geistkraft lässt sich nicht festhalten. Auch nicht in einem Buch. Sie bleibt nicht stehen. Nicht außerhalb der Zeit. Sie ist mitten in ihr. Immer. Auch heute noch. Gottes Geist ist Zeitgeist. Was denkst du?
Foto: TB-behindert_geglaubt_Christopherus_Werk - Aktion
Das Bild zeigt eine Person im Porträtformat im Freien. Die Person trägt ein grünes T-Shirt mit dem Aufdruck „México“ und dem Logo der mexikanischen Fußballnationalmannschaft sowie graue Hosen. Sie hält eine Ukulele und spielt darauf. Im Hintergrund sind Büsche und Bäume zu sehen. Über dem Bild steht der Text: „Themenmonat Johannes: Ein Leib, viele Sinne: Warum Gott keine Fehlbesetzungen kennt“. Oben links ist das Logo „Deine OnlineKirche“ und oben in der Mitte ein blaues Kreuz-Symbol sichtbar.
Stell dir vor, du bist Teil eines Orchesters, aber man lässt dich nicht mitspielen. Du darfst nur danebensitzen, weil andere glauben, dir fehle der Durchblick für ein Instrument. In unserer Kirche reden wir oft vom „Leib Christi", aber im Alltag sortieren wir Menschen nach ihrer Nützlichkeit. Als blinder Pastor in Ausbildung kenne ich das: Mir wurde gesagt, meine Blindheit sei ein Hindernis für den Beruf. Man traut mir ein „Zeugnis" zu, aber keine Leitung. Doch wer nur das Defizit verwaltet, übersieht: Gott beruft keine Mängelwesen, er beruft Menschen.
Wie viel wir gewinnen, wenn Raster fallen, zeigt die Frauenordination. Was für ein Reichtum floss in die Kirche, seit Frauen das Amt bekleiden! Erst durch sie wurde der Leib Christi vollständiger und ein Stück mehr zum Ebenbild Gottes. Doch noch immer müssen Frauen gegen veraltete Rollenbilder kämpfen. Das zeigt, wie tief Leistungsdenken in uns steckt - und wie sehr wir noch lernen müssen, die Berufung über unsere Schablonen zu stellen.
Paulus schreibt, dass ein Körper nicht nur aus Augen besteht und gerade die schwachen" Glieder unentbehrlich sind. Der Leib Christi ist erst vollständig, wenn jeder den Platz einnimmt, den Gott vorgesehen hat - nicht den, den wir nach menschlichem Ermessen zuweisen. Wer gelernt hat, Gott im Dunkeln zu vertrauen, bringt einen Weitblick mit, den kein Studium lehrt.
Meine Ukulele hat nur vier Saiten. Manche lächeln, als fehle ihr etwas zur Gitarre. Doch sie hat einen eigenen, hellen Glanz. In Gottes Orchester ist jede Saite genau so gewollt. Gott sieht nicht auf das Raster, sondern das Herz an. Dort fängt die Kirche an, mit allen Sinnen zu lieben.
Jenni, die Hauptperson im Vordergrund, blickt direkt in die Kamera. Im Hintergrund ist sie zu sehen, wie sie auf dem Boden sitzt und sich die Händen vor das Gesicht hält. Der Bildschirm zeigt den Titel "Themenmonat" und den Text "Jenni: LongCOVID. Die Krankheit mit den zwei Gesichtern."
Früher habe ich über Teilhabe geredet. Heute betrifft sie mich selbst. Inklusion beschäftigt mich nicht erst seit diesem Themenmonat. Ich habe erlebt, wie viel Widerstand das Thema auslösen kann und leider oft auch ausgelöst hat. Auch in Kirche und in Gemeinden. Damals war es für mich eine Perspektive von außen (oder zumindest dachte ich das, trotz verschiedener chronischer Krankheiten). Heute bin ich Betroffene.
Spätestens seit meiner Long-COVID-Diagnose Anfang 2023 hat sich mein Alltag spürbar verändert. Nicht nur äußerlich, sondern auch darin, wie ich mich selbst sehe und wahrnehme. Da gab es viele kleine und größere Verschiebungen, die ich erst mit der Zeit wirklich verstanden habe. Und diese Veränderungen haben etwas mit meiner Perspektive gemacht: Ich höre anders hin, wenn über Belastbarkeit gesprochen wird. Die der anderen und meiner eigenen.
Ich merke schneller, wenn Menschen anfangen, mich einzuordnen in „geht noch" oder „geht nicht mehr", in „können wir ihr das zutrauen" oder „vielleicht lieber doch nicht". Manchmal passiert das vorsichtig. Manchmal sehr schnell. Ich habe gute Tage. Ich habe schlechte Tage. An manchen Tagen bin ich dankbar meine Arbeit im liegen oder sitzen durchführen zu können. An schlechten Tagen zeige ich mich in der Regel nicht. Auch nicht hier auf Instagram. An den guten Tagen sieht man mir meine Erkrankung meist nicht an. Aber auch an guten Tagen zehrt sie an mir. Es ist eine Krankheit mit zwei Gesichtern.
Ich bin noch mittendrin in diesem neuen Erleben und auch in diesem neuen Lernen. Und ich merke, dass es nicht nur um die Krankheit oder die Behinderung selbst geht. Sondern auch um Erwartungen. Um Bilder davon, wie ein Leben zu sein hat, damit es als gut, funktionierend oder wertvoll gilt. Ich merke: Ich bin nicht weniger ich durch meine Erkrankungen, ... ...auch wenn mein Leben enger geworden ist. Aber ich werde so wahrgenommen.
Auch im Arbeitskontext merke ich, wie schnell von außen Lösungen angeboten werden, wenn ich darüber rede oder mal wieder zu einer Reha muss: weniger Stunden, weniger Verantwortung, weniger Belastung. „Dann muss sie halt kürzer treten." Vieles davon ist gut gemeint. Aber nicht alles ist hilfreich. Denn es geht nicht immer um ein Weniger. Manchmal geht es darum, Strukturen zu verändern. Rhythmen anzupassen. Räume zu schaffen, in denen Menschen wie ich weiterhin gut arbeiten können. Vielleicht anders, aber nicht weniger.
Was ich mir wünsche? Dass wir miteinander lernen. Nicht sofort zu wissen meinen, was jemand braucht. Erst Zuhören. Und auch offen zu sein für die Antwort, dass es manchmal gar keine Hilfe braucht, sondern Verständnis, Flexibilität und echte Veränderung von sonst starren Ansichten und Strukturen. Die größte Herausforderung für mich besteht aktuell nicht in den Einschränkungen, die mir meine Erkrankung zweifelsohne auferlegt, sondern darin, mit ihnen in einer Welt zu leben, die ihre starren Ordnungen und Normen nicht aufgeben und auch nicht infrage stellen möchte.
Das kostet mich die meiste Energie. Und bringt mich immer wieder ins Zweifeln ob ich mir einen Grad der Behinderung (GdB) anerkennen lasse, ob ich mich traue, einen Pflegegrad zu beantragen und vor allem, wie offen ich selbst mit dieser Krankheit umgehen möchte.
Foto: TB-Vali-Segen2Go - Aktion