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Foto: Wir wollen alle fröhlich sein - Musik­­Momente
Foto: Jenni Ostern - Aktion
Foto: Karfreitag – Teresa - Gebete
Foto: Seht hin, er ist allein im Garten - Musik­­Momente
Alt-Text: Porträt von Alexandra im Freien: Eine Frau mit kurzen rötlichen Haaren und runder Brille. Sie schaut freundlich in die Kamera, trägt eine warme, graue Fleecejacke, ein Rucksackriemen ist über der Schulter zu sehen. Im Hintergrund ist eine Wiese mit kahlen Bäumen zu sehen. Oben links das Logo „Deine OnlineKirche“. Darübergelegt der Text: „Passionszeit. Und ich.“ sowie „Alexandra: Ein echtes Innehalten, um mal wieder ehrlich zu mir selbst zu sein.“, wobei der letzte Teil farblich hervorgehoben ist.
Eigentlich ist meine Seele das ganze Jahr über viel zu voll. Ich stopfe jeden Tag noch mehr rein, kritzle neue Gedanken, Sorgen und To-dos drauf, bis kaum noch Platz zum Atmen ist. In dieser Passionszeit merke ich gerade: Ich will das nicht mehr. Ich möchte Gott eigentlich nur darum bitten, mir ein paar dieser Kritzeleien abzunehmen. Dass ich Dinge einfach mal abstellen darf, die mich nur noch müde machen.
Diese Sehnsucht nach Ruhe ist heute ganz anders als das, was ich früher mit Ostern verbunden habe. Als Kind war das diese kribbelige, laute Aufregung im Bauch - das Suchen im Garten, die Frage, ob ich alles finde. Später, als Jugendliche, war es die Vorfreude auf die Familie, das Zusammensein an verregneten Tagen und dieses Hoffen, dass die anderen sich über meine Geschenke freuen. Heute ist meine Vorfreude leiser geworden. Aber sie sitzt tiefer.
Sie ist keine Aufregung mehr, die meinen Kopf kreisen lässt, sondern eine, die das Herz ruhig macht. Vielleicht liegt das auch daran, dass man mit der Zeit merkt: Das Leben hier ist endlich. Wir alle kennen diesen schweren Mantel, der sich um einen legt, wenn man jemanden verliert. Und genau diese Schwere ist bei mir an Ostern irgendwie immer dabei. Da ist neben der Leichtigkeit des Frühlings auch die Melancholie, die Angst und diese Momente, in denen sich Gebete wie unerhörte Klagen anfühlen.
Aber genau da passiert für mich Ostern. Es ist eben kein glattes Happy End. Es ist die Zusage, dass unser Leben hier zwar ein Ende hat, aber Gottes Liebe nicht. Jesus hat uns gezeigt, dass selbst der letzte Atemzug nicht das Ende der Geschichte ist. Dieses Wissen lässt mich das Hier und Jetzt ganz anders wertschätzen. Es rückt den Blick weg von unwichtigen Dingen, vom nächsten Projekt oder irgendeinem Shopping-Haul.
Plötzlich sehe ich viel klarer, wer wirklich zählt: Die Menschen, die diesen Weg mit mir gehen. Die, mit denen ich weinen und lachen kann. Die mich auffangen und die ich halte. In diesen Wochen werde ich dafür besonders sensibel. Meine Rituale - das Wandern, wenn die Natur gerade aufwacht, das Beten, Ostersträuße binden oder Eier bemalen - das ist für mich pures Danken.
Ein echtes Innehalten, um mal wieder ehrlich zu mir selbst zu sein. Und um die Seele ein Stück weit leerer zu machen, damit wieder Platz ist für das, was wirklich bleibt.
Foto: Karwoche – Jenni - A-Z
Foto: AEW Palmsonntag Franziska - Impulse
Porträt von Juliane im Freien bei Sonnenschein. Sie lächelt ruhig und nachdenklich, stützt den Kopf auf ihre Hand, eine rote Brille sitzt im Haar. Im Bild steht: „Passionszeit. Und ich. Juliane: Da hat jemand mit mir und vor mir gelitten. Ich bin nicht allein.“ Oben links das Logo „Deine OnlineKirche“.
Die Passionszeit ist meine Lieblings-Kirchenjahreszeit. Warum? Weil ich den Weg vom Tod zum Leben geradezu körperlich erlebe. Als Sommerkind kann ich mit dunklen Wintern nicht viel anfangen. Wenn es draußen heller wird, kehren Licht und Wärme in Körper und Seele zurück... Als kleines Kind hatte ich oft die Angst, dass die Bäume nach dem Winter nicht wieder grün werden könnten. Von Jesu Passion wusste ich da noch nix, aber es war dennoch eine Passionszeit für mich.
Seit vielen Jahren ist der Kalender von „7 Wochen ohne" mein Begleiter. Die Fragen und wunderbaren Impulse sind mein Start in den Tag und helfen mir, manche Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Ich nutze die 7 Wochen, um meine Haltung zu bestimmten Dingen zu überprüfen.
Und immer höre oder singe ich eine der Bach-Passionen. Nichts kann mich so sehr im Herzen berühren wie Bachs Musik. Wenn ich die Worte „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" höre, weiß ich: Da hat jemand mit mir und vor mir gelitten. Ich bin nicht allein. Nach dem Karfreitag stellt sich in mir jedes Jahr die Ahnung ein: Das Leben geht weiter, und: Das Beste kommt noch!
Seit einem Jahr ist manches neu, da ich ja nicht mehr Gemeindepfarrerin bin. Als ich das noch war, war der „Takt" gesetzt - durch die Vorbereitung von Passionsandachten und -gottesdiensten. Und dann der Marathon: vom Tisch-abendmahl zum Karfeitag, Osternacht und zahlreiche Ostergottesdienste ... das war jedes Jahr ein Kraftakt, aber auch wunderbar, die Tage mit der Gemeinde zu durchleben, zu er-leben. Das Schönste: Nach der Osternacht vom Kirchturm der Sömmerdaer Petrikirche beim Glockenläuten den Sonnenautgang zu erleben.
In diesem Jahr freue ich mich auf den Radiogottesdienst am Karfreitag in der Augustinerkirche, besonders auf die Musik. Und darauf, dass ich Zeit mit meinen - inzwischen erwachsenen - Kindern habe. Das ist auch „neu"!
Foto: MuMo – Manches Holz… - Musik­­Momente