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Porträt von Juliane im Freien bei Sonnenschein. Sie lächelt ruhig und nachdenklich, stützt den Kopf auf ihre Hand, eine rote Brille sitzt im Haar. Im Bild steht: „Passionszeit. Und ich. Juliane: Da hat jemand mit mir und vor mir gelitten. Ich bin nicht allein.“ Oben links das Logo „Deine OnlineKirche“.
Die Passionszeit ist meine Lieblings-Kirchenjahreszeit. Warum? Weil ich den Weg vom Tod zum Leben geradezu körperlich erlebe. Als Sommerkind kann ich mit dunklen Wintern nicht viel anfangen. Wenn es draußen heller wird, kehren Licht und Wärme in Körper und Seele zurück... Als kleines Kind hatte ich oft die Angst, dass die Bäume nach dem Winter nicht wieder grün werden könnten. Von Jesu Passion wusste ich da noch nix, aber es war dennoch eine Passionszeit für mich.
Seit vielen Jahren ist der Kalender von „7 Wochen ohne" mein Begleiter. Die Fragen und wunderbaren Impulse sind mein Start in den Tag und helfen mir, manche Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen. Ich nutze die 7 Wochen, um meine Haltung zu bestimmten Dingen zu überprüfen.
Und immer höre oder singe ich eine der Bach-Passionen. Nichts kann mich so sehr im Herzen berühren wie Bachs Musik. Wenn ich die Worte „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?" höre, weiß ich: Da hat jemand mit mir und vor mir gelitten. Ich bin nicht allein. Nach dem Karfreitag stellt sich in mir jedes Jahr die Ahnung ein: Das Leben geht weiter, und: Das Beste kommt noch!
Seit einem Jahr ist manches neu, da ich ja nicht mehr Gemeindepfarrerin bin. Als ich das noch war, war der „Takt" gesetzt - durch die Vorbereitung von Passionsandachten und -gottesdiensten. Und dann der Marathon: vom Tisch-abendmahl zum Karfeitag, Osternacht und zahlreiche Ostergottesdienste ... das war jedes Jahr ein Kraftakt, aber auch wunderbar, die Tage mit der Gemeinde zu durchleben, zu er-leben. Das Schönste: Nach der Osternacht vom Kirchturm der Sömmerdaer Petrikirche beim Glockenläuten den Sonnenautgang zu erleben.
In diesem Jahr freue ich mich auf den Radiogottesdienst am Karfreitag in der Augustinerkirche, besonders auf die Musik. Und darauf, dass ich Zeit mit meinen - inzwischen erwachsenen - Kindern habe. Das ist auch „neu"!
Foto: MuMo – Manches Holz… - Musik­­Momente
Foto: SegenToGo-Gerson - SegenToGo
Foto: Verbunden im Gebet - Gebete
Porträt von Sarah im Freien vor einem grünen, leicht verschwommenen Hintergrund. Sie trägt einen Kranz aus kleinen weißen Blumen im Haar und blickt ruhig und freundlich in die Kamera. Unten im Bild steht der Text: „Passionszeit. Und ich. Sarah: Weniger funktionieren, mehr bewusst leben im Angesicht Gottes.“
Die Fastenzeit und ich haben ein eher lockeres Verhältnis. Manche Menschen fasten Schokolade, andere Alkohol und ich habe einmal das Wort „nur" gefastet. Weil mir aufgefallen ist, wie dieses kleine Wörtchen Dinge heimlich schrumpfen lasst: Das ist nur meine Schwester" oder Im Test habe ich nur eine drei geschrieben."
Und plötzlich merkt man, wie sehr Sprache das eigene Denken knetet wie ich einen Hefeteig. Also habe ich versucht, in dieser Zeit nichts kleinzureden, weder mich noch meine Gedanken. Das war überraschend schwer aber auch heilsam.
Überhaupt bin ich beim Fasten nicht besonders konsequent. Jedes Jahr nehme ich mir vor, etwas zu finden, was ich weglassen könnte und jedes Jahr merke ich, dass mir das Finden fast schwerer fällt als das Verzichten. Vielleicht ist das aber auch schon eine kleine spirituelle Ubung: ehrlich zugeben, dass man nicht immer heldenhaft diszipliniert ist.
Trotzdem mag ich die Idee der Fastenzeit. Sie lädt dazu ein, innezuhalten und sich mit Glaubensfragen zu beschäftigen und auch mit dem eigenen Wohlbefinden. Man denkt plötzlich darüber nach, was einem guttut, was man schleifen lässt, und was man vielleicht wieder liebevoller in den Blick nehmen möchte.
Und selbst wenn mein Fasten eher improvisiert ist, tut mir genau dieses Nachdenken gut. Vielleicht ist das am Ende das eigentliche Fasten: Weniger funktionieren, mehr bewusst leben im Angesicht Gottes.
Foto: Body and Soul Folge 14 - Body&Soul
Foto: SegenToGo – Laura - SegenToGo
Foto: Gebet Passionszeit (Max) - Gebete
Landesbischof Friedrich Kramer steht frontal vor einer hellen, felsigen Steinwand, die an eine Höhle oder eine in Felsen gehauene Öffnung erinnert. Er trägt einen dunklen Anzug mit Weste, ein gestreiftes Hemd und eine braune Fliege. Er hat kurze graue Haare, eine Brille und schaut ernst direkt in die Kamera. Oben links steht das Logo und der Schriftzug „Deine OnlineKirche“. Über dem unteren Bildbereich befindet sich ein graues Textfeld mit einem Symbol (Dornenkranz mit Kreuz) und dem Titel: „Passionszeit. Und ich.“ Darunter steht der Text: „Friedrich: Ich gehe dort, wo ich bin, zu Gottesdiensten oder Andachten.“ Die Worte „wo ich bin“ sind gelb hervorgehoben.
Passionszeit, eine besondere Zeit im Jahr! Diese Mischung aus aufbrechendem Frühling und dem Leid sind eine ganz eigenwillige Melange, die mich doppelt bewegt. Ich spüre, dass mit dem Karfreitag irgendwie das Wesentlichste auf der Welt passiert ist und gleichzeitig ist es so schwer, das auszuhalten, was gerade auch noch alles auf der Welt passiert. Das zusammen Denken, zusammen Singen und zusammen Beten finde ich in der Passionszeit großartig.
Diese Zeit ist von mir immer durch zwei Elemente im Alltag gestaltet: Ich versuche, die klassischen Fastentage Mittwoch und Freitag zu halten, weil ich da auch wenig esse. Teilweise versuche ich auch, mit einer längeren Fastenphase einzusteigen, wenn das gelingt.
Zum anderen singe ich regelmäßig alle Passionslieder. Ich merke immer, dass viele Menschen mit denen überhaupt nichts mehr anfangen können. Mir geht das völlig anders, weil ich die jedes Jahr singe. Sie schwingen in mir! Ich merke, dass wir da eine großartige Tradition haben.
Für mich gibt es zudem Rituale, die sich aber durch die Veränderung im Lebenskontext natürlich immer wieder verschieben. Ich gehe dort, wo ich bin, zu Gottesdiensten oder Andachten. Auch zum Tischabendmahl am Gründonnerstag. Ich habe jahrelang am Karfreitag die Johannispassion mitgesungen. Das würde ich mir wieder wünschen. Das gibt es jetzt gerade nicht.
Aber wir werden dieses Jahr einen schönen Radiogottesdienst machen, in dem ich predigen werde. Und natürlich gehört für mich als Abschluss der Passion die Osternacht dazu.